Es ist wieder so weit: Eine neue Woche, ein neuer Blogeintrag!
Mein heutiges Thema:
China VS Handarbeit
Es ist ein Thema das mich sehr beschäftigt, sowohl als Produzent von Ware als auch aus der Konsumenten Rolle. Daher ist es mir wichtig euch mal meinen Standpunkt zu diesem Thema zu erläutern. Dieser Beitrag wird nicht viele Fotos enthalten, aber ich versuche dennoch mit einigen visuellen Eindrücken, das Ganze zu unterstreichen.
Ursprünglich habe ich diesen Blog angelegt, um zu zeigen, wie man aus wenig viel machen kann und um Styling-Tipps zu geben.
Ausserdem: Wo und wie man Schnäppchen schnappt und wie man durch Pfennigfuchsen einiges an Kosten spart. Aber ich finde auch, dass mal aufgezeigt werden sollte, dass man bei Handarbeit und Handwerk (d.h. wenn jemand etwas in mühevoller Eigenarbeit erschaffen hat) es tunlichst unterlassen sollte zu handeln als sei man auf einem Bazar.
Für mich gibt es einen enormen Unterschied ob man Massenware billig bis günstig einkauft oder wirklich ein Einzielstück oder ein Teil einer Klein(st)serie angefertigt bekommen möchte.
Ich selbst spüre diese "Geiz ist geil" Mentalität auch immer wieder am eigenen Leib, denn ich bin Handwerkerin (Gesellin im Gold- und Silberschmiedehandwerk) und studierte Designerin im Fach Edelstein- und Schmuckdesign.
Seit 2010 führe ich ein Kleingewerbe für Modeschmuck und andere Accessoires wie Kopfbedeckungen und Taschen und ich kann euch sagen: Der ständige Kampf, dass einem die Arbeit, die man leistet bezahlt wird ist hart! Kein unbekanntes Phänomen, egal in welchem Beruf, aber besonders im Handwerk stelle ich es immer wieder fest, vor allem wenn ich mir Berichte und Erzählungen von Kollegen anhören darf.
Sprüche wie "Da schau ich mal im Internet, da bekomme ich das bestimmt günstiger." oder "Wo ist deine Schmerzgrenze?" sind dem Erschaffer gegenüber entwürdigend, wenn man sich für ein handgefertigtes Produkt X interessiert, man es aber nicht einsieht Betrag X dafür zu zahlen.
Und da ist es egal wo das Material herkommt. Auch wenn es Billigteile aus China sind welche verarbeitet werden, ein Endprodukt besteht ja schließlich nicht nur aus dem Material.
Das ist halt der Punkt: Die meisten Menschen kapieren nicht, so scheint es, dass auch Zeit, Kraft, Fähigkeit und die Idee honoriert und somit bezahlt werden müssen. Man kann nicht davon ausgehen, nur die Materialkosten zu tragen.
Manchmal scheint es mir so, als müsse in der heutigen Zeit jeder alles und vor allem SOFORT besitzen. Sparen um sich etwas zu gönnen? Was ist das? Einschätzung der Wertigkeit eines Produktes? Wertschätzung der Person die die Arbeit ausführt?
Warum? Man kann doch schließlich alles ohne Probleme in die Tonne werfen wenn man es nicht mehr mag...
Des öfteren frage ich mich auch, ob manche Menschen mit dem Wort "Unikat" oder "Einzelstück" nichts anfangen können.
Weil: Wenn etwas nur einmal auf der Welt zu haben ist, ist es doch etwas besonderen, nicht wahr?
Daher hier mal als Beispiel (das nichts mit meinem Gewerbe zu tun hat, sondern an Hand meines Hobbies erläutert wird). Ein von mir selbst genähtes und entworfenes Steampunk Kleid bestehend aus:
- Bolero
- Weste
- Schürze
- Rock
- Hut
Ich liste nun im Anschluss die Materialkosten und die Arbeitszeit auf und erzähle dazu noch eine kleine Anekdote.
(Dazu möchte ich dringend betonen: Ich bin keine Schneiderin oder Näherin. Ich habe diesen Beruf nicht erlernt, nähe aber seit nun mehr 15 Jahren als Hobbynäherin und bin in dem was ich mache nicht schlecht. Dies ist also KEINE gewerbliche Kalkulation, sonder rein, was ich in mein Hobby investiere)
Die Materialkosten:
Da ich nicht genau Buch über meine Arbeitszeit führe, kann ich nur noch in etwa sagen, wie lange ich an dieser Kreation gesessen habe. Da ich so etwas aber öfters für mich nähe und ich inzwischen ein bisschen Gespür dafür gewonnen habe, sagen wir mal, ich habe eine Woche lang jeden Tag 8h daran gearbeitet.
Gehen wir mal, auch wenn ich nur eine Hobbynäherin bin, von einem deutschen Mindestlohn von 8,50€/h aus lägen wir also bei 476€ die rein durch Arbeitszeit zusammen kommen.
Wären wir also letztendlich bei einem Gesammtpreis von 593€ für das gesammte Ensemble.
Jede/r der näht wird nachvollziehen können, dass diese Aufzählung und die daraus entstandene Summe keine Fiktion sondern Realität ist.
Tja. Und da wären wir dann genau an dem Punkt, an dem ich meine kleine Anekdote erzählen möchte.
Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich mal wieder den Entschluss gefasst und wollte mich (u.a. aus finanziellen Gründen) wieder von einigen meiner Kleidungsstücken trennen. Dieses 5-teilige Kleid war auch mit dabei und ich dachte mir "Hey, stell es für 165€ ein, dann hast du wenigstens die Materialkosten drin und einen Ultramini-Gewinn."
Die Klamotte bekam viel Zuspruch und Lob, kaufen wollte es erstmal jedoch keiner. Bis ich die Nachricht mit der Frage "Wo ist deine Schmerzgrenze?" erhielt.
Das hat mich so dermaßen getroffen und geschockt, dass ich beschlossen habe, das Kleid erst einmal nicht zu verkaufen und es lieber selbst wieder anzuziehen.
Falls die Dame, die das damals geschrieben hat jetzt diesen Blog liest: Vielleicht sind diese Worte und die Aufzählung mal ein Denkanstoß! Es ist und bleibt in meinen Augen einfach eine Unverschämtheit.
Warum sind die Klamotten aus China so billig?
Inzwischen überschwemmt China uns ja mit Billigware und wenn ich von Billigware spreche, meine ich auch wirklich billig. Die Materialien sind in den meisten Fällen minderwertig, die Produktion ist minderwertig und es wird in Massen gefertigt unter größtenteils menschenunwürdigen Bedinungen.
Wer von uns hat sich nicht mal aus purem Geiz einen Artikel in Fernost gekauft um nach Erhalt der Ware fest zu stellen, dass in 80% der Fällen das Produkt, dass man in Händen hält ein schlechter Abklatsch von dem Foto ist mit welchem das gekaufte Teil beworben wird?! Bei Klamotten: Die angegebene Größe vielleicht einer Asiatin passt, aber nicht einer Europäerin? Die Teile so dermaßen nach Chemiaklien stinken, dass wir uns gar nicht vorstellen wollen, was mit den Menschen passiert, die diesem Gestank den ganzen Tag ausgesetzt sind.
Dazu fällt mir übrigens noch folgende Geschichte ein:
Für das WGT im Jahre 2011 habe ich mir ein elisabethanisches Kleid mit passender Haube genäht, welches ich mit einer damaligen Bekannten zusammen auf dem Leipziger Südfriedhof abgelichtet und die Bilder natürlich online gestellt habe.
Irgend wann (ich weiss nicht mehr, aber es war schon ein, zwei Jahre später) bekam ich von einer anderen mir bekannten Person einen Link zugesendet mit dem Hinweis auf der Seite "Alibaba" gäbe es einen Shop, der ein Kleid verkaufen würde und meine Fotos benutze, um dieses Kleid (das demnach auch mein Design war) zu bewerben/zu verkaufen.
Das hat mich natürlich ziemlich geschockt und ich habe einen Anwalt konsultiert, da ich es nicht einsehe, dass mir meine Idee in Kombination mir meiner Person so dreist geklaut wird. Aber dieser konnte leider nichts anderes tun als einen Einfuhrschutz beim Zoll zu bewirken, dass wenn solch ein Kleid gekauft wird, nach Deutschland kommt und die Beamten es öffnen, es direkt eingezogen und vernichtet wird...
So erging es mir auch mit von mir gefertigten Hütchen und Schmuck.
Vor allem letztes trifft mich sehr , da ich ja, wie zu Anfang erwähnt, nicht nur studierte Designerin bin sondern auch gelernte Gold- und Silberschmiedin.
Das ist aber ein zu langes und komplexes Thema und ich möchte darauf nicht noch näher eingehen. Das einzige was ich damit sagen möchte ist: Wer in China einkauft, sollte sich all dessen bewusst sein, was ich versucht habe euch ans Herz zu legen.
Geld sparen kann man auch ohne China: In dem man Second Hand Klamotten und Accessoires kauft und wenn man ein bisschen Geschick hat, diverse Sachen auch einfach malselbst macht. Das Internet ist voll mit Anleitungen und Hilfestellungen! Dann ist man fast immer günstiger und in vielen Fällen sind solche Sachen doch auch viel schöner als gekauft!
Also ihr Lieben, hier werde ich nun erst einmal enden. Es ist ja auch einiges an Text geworden, den ich hier runter getippt habe.
An dieser Stelle nutze ich aber noch kurz die Gelegenheit mich bei den Menschen zu bedanken, die meine Arbeit zu schätzen wissen und mich insofern finanziell unterstützen, dass sie meine Produkte kaufen! Und auch ein großes Dankeschön an die Menschen, die Handwerk und Handarbeit zu schätzen wissen! Ihr rockt!
Bis zur nächsten Woche, dann mit einem Beitrag über antike Schuhe!
Eure Méli







